Hinweise zur Aufzucht und Entwicklung des Junghundes


I: Allgemeines


Ein erwachsener Hund ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von angeborenen Anlagen und denen auf diese Anlagen einwirkenden Umwelteinflüssen.

Beides: Anlagen und Umwelteinflüsse, sind entscheidend wie ein Hund wird.

Die schönste Ahnentafel hilft nichts, wenn ein Hund eine Junghundentwicklung durchgemacht hat, welche unter

ungünstigen Bestimmungen stand.

Aber auch an einer schlechten Veranlagung lässt sich kaum etwas ändern, auch wenn dem Hund die besten

Lebensbedingungen geboten werden.

Leider gehört der vielschichtige Komplex der Junghundentwicklung zu den Dingen, um die man sich in der

Vergangenheit zu wenig bemüht hat.

Für manche ehrgeizige Menschen ist der Hund erst dann interessant, wenn er alt genug ist, um mit ihm arbeiten

 zu können.

Ich möchte versuchen, einen Überblick über die wesentliche Bedeutung der Jugendentwicklung des Hundes für sein späteres Leben zu geben.


                              

II. Welcher Welpe soll es sein?


Einen wirklich guten Züchter erkennt man nicht allein an der Zahl seiner Ausstellungspokale und Leistungsprüfungen,

sondern an seinem Umgang mit dem Hund. Wie dieser Umgang beschaffen ist, lassen am besten seine Hunde erkennen.

Sind sie alle freundlich zu ihm und benehmen sie sich Fremden gegenüber nicht ausgesprochen misstrauisch,

dann ist alles in Ordnung.

Sehen Sie sich die Welpen an, wenn sie älter als drei Wochen sind. Verkriechen sich diese ängstlich in der Wurfkiste,

dann lassen Sie sich auf keinen Fall erzählen, diese Ängstlichkeit komme daher, weil sie noch so jung sind.

Die Ängstlichkeit hat vielmehr eine ganz andere Ursache:

Sie bedeutet, dass der Züchter sich zu wenig Zeit für den Nachwuchs nimmt.

Ist ein Welpe 5 Wochen alt und zeigt Ängstlichkeit, dann ist das zeitlebens nicht mehr reparierbar.




III. Vegetative Phase und Bioturnus



Mit der Beendigung des Wurfaktes beginnt für den Welpen die vegetative Phase. Sie umfasst die ersten zwei

Lebenswochen.

Diese Zeitspanne ist für den Welpen lediglich eine Fortsetzung des unbewussten Lebens im Mutterleib.

Sein Daseinsinhalt besteht nur aus Trinken und Schlafen, das heißt, dieser gesamte Lebensabschnitt ist auf

Gewichtszunahme und Wachstum abgestimmt.

Der Welpe verdreifacht jetzt sein Gewicht. Augen und Ohren sind verschlossen.

Inwieweit der Geruchssinn bereits ausgebildet ist, ist noch umstritten.

Der Kleine ist in den ersten zwei Lebenswochen allein auf die Leistungsfähigkeit der Mutter angewiesen.

Für uns eine untätige Zeit – glauben wir, aber dem ist nicht so.

Schon in der vegetativen Phase entscheiden wir über die spätere Leistungsfähigkeit des Schutzhundes; vor allem

durch die Auswahl der bei der Mutterhündin verbleibenden Welpen.

Denn nur gesunde und wesenssichere Welpen können später gute Schutzhunde werden, nicht aber kranke und

wesensschwache Tiere.

Deshalb ist es unsere Pflicht die Auswahl nicht gefühlsmäßig vorzunehmen, sondern vorwiegend aufgrund der

angeborenen Verhaltensweisen.

Diese erheblich festgelegten Bewegungsweisen – Erbkoordinaten genannt – sind:
Saugen, Kreiskriechen, Pendelbewegungen mit dem Kopf, Fellbohren, Milchtritt und die Lautäußerung.

Zeigt uns ein Welpe die angeborenen Verhaltensweisen schwächer, inaktiver und langsamer als seine Geschwister,

dann heißt das, dass sein Nervensystem und damit sein allgemeiner Zustand nicht in Ordnung sind.

Sein Bioturnus, hierunter verstehen wir die erheblich mitgegebene Lebensenergie – ist schwach, und er wird sich

kaum zu einem gesunden, kräftigen Schutzhund entwickeln. Wie sollte er auch, da bereits das „Ausgangsmaterial“

nicht viel taugt.

Hinzu kommt die physische Fähigkeit. Denn da diese Verhaltensweise ihren Sitz in den ältesten Gehirnteilen haben,

 die gleichsam die Basis für das übrige Gehirn bilden, wirken sich die Schwächen auch auf die später in Funktion

 tretende höhere Gehirnleistung aus.

Demgegenüber wird ein „brutaler“ kleiner Kerl zu einem starken, kräftigen, gesunden und sozialen Hund

heranwachsen.

Daraus folgt, dass wir unsere Welpen nach ihrem Bioturnus beurteilen sollten. Dieser Bioturnus kann wie folgt

benotet werden:

Note 1: Welpen, die nach der Befreiung aus den Eihäuten lebhaft nach der Milchquelle suchen, sie finden und trinken,

 oder schon in den Eihäuten zappeln.

Note 2: Welpen, die nach ihrer Befreiung aus den Eihäuten zuerst einmal eine Weile liegen bleiben, ehe sie aktiv

wie jene mit der Note 1 werden.

Note 3: Welpen, die nach ihrer Befreiung aus den Eihäuten zwar zum mütterlichen Körper streben, aber die Zitzen

 nicht finden und angelegt werden müssen.

Note 4: Welpen, die nach ihrer Befreiung aus den Eihäuten erst eine Weile liegen bleiben, ehe sie aktiv wie jene

 mit der Note 3 werden.

Note 5: Welpen, die nach ihrer Befreiung aus ihren Eihäuten liegen bleiben und auch nicht zum mütterlichen Körper

streben.

1. Diese Welpen werden es nicht überleben, oder bleiben klein und schwach.

2. Beobachte die Welpen die mit Noten 3 und 4 hinsichtlich der erblichen festgelegten Bewegungsweisen mindestens

sieben Tage lang und notiere die Ergebnisse.

3. Zeigen sie auch dann noch die angeborenen Verhaltensweisen schwächer, sind sie       
inaktiver und langsamer als ihre Wurfgeschwister, dann schließe sie aus der engeren Wahl aus.

Ein Welpe vor der dritten Lebenswoche, der hochaktiv ist, also einen guten Bioturnus zeigt, verspricht ein nervlich

gesunder Hund zu werden.

Darüber hinaus sollten wir die Welpen täglich wiegen.

Diese tägliche Gewichtskontrolle bis zum 21. Tag hat nicht nur den Vorteil, dass wie dadurch den Gesundheitszustand

– also das Wachstum – der Welpen kontrollieren können, sondern vor allem, dass der Welpe einem physiologischen

Stress ausgesetzt wird, der die spätere Leistungsfähigkeit erheblich steigert. 

Trinken, Schlafen sind also die beiden Hauptfunktionen des Welpen in dieser vegetativen Phase.

Die in diesem Zeitabschnitt erkennbare Energie und Kraft, die er aufwendet, um die Nahrungsquelle bei der Mutter

 zu finden, ist dem Züchter ein wertvoller Hinweis auf die Erbgesundheit des Welpen.

Je „brutaler“ der Welpe sich innerhalb dieser vierzehn Tage verhält, umso beruhigter können wir in die Zukunft sehen.

Die Intensität mit der das Saugen vollzogen wird, ist ein sichtbarer Ausdruck der erblichen Spannkraft des Welpen.

Zusammenfassend können wir also feststellen, dass wir beim Welpen schon in der vegetativen Phase den Grundstein

 für seine spätere Leistungsfähigkeit legen können.

    
IV.Übergangsphase

Sie beginnt nach der vegetativen Phase und dauert bis zum Ende der dritten Woche.

In dieser Zeit zeigt sich ein zunehmendes Bewegungsbedürfnis.

Die Lidspalte öffnet sich und gegen Ende der dritten Woche entwickelt sich auch das Gehör.

Die Neugier erwacht auch so um den 16. und 18. Tag.

Die Neugierde ist der Ansporn für alles Lernen.

Ich möchte sogar sagen die Neugierde ist überhaupt die Voraussetzung zum Lernen.

Je größer die Neugier, umso mehr lernt der Welpe. Das Verhalten gegen Ende der dritten Woche kann dem Züchter

bereits einiges von dem verraten, was wir von dem künftigen Hund zu erwarten haben.

Es kommt also wesentlich darauf an, welches Neugierverhalten der Welpe zeigt.

Mit dem erstmaligen Verlassen des Lagers endet auch die blinde Vertrauensseligkeit der Frühkindheit.

Die Welpen lernen, dass es außerhalb des Lagers auch unangenehme Erlebnisse gibt, innerhalb des Wurfes aber nur

Geborgenheit herrscht.

Die Auseinadersetzung mit ihrer Umwelt hat begonnen.

Auf einige dieser Umwelteinflüsse können wir die Welpen schon innerhalb des Wurfraumes vorbereiten, so dass sie

diese außerhalb des Lagers nicht mehr als neu und unangenehm empfinden.

Neben der täglichen Gewichtskontrolle sollten wir jetzt beginnen, uns mit dem einzelnen Welpen etwas länger zu

beschäftigen.

Wir sollten mit ihm „schmusen“ und ihm Gelegenheit geben, mit uns ausgiebigen Berührungskontakt zu pflegen.

Außerdem sollten wir die Welpen, solange sie das Wurflager noch nicht verlassen haben, an alltägliche Geräusche

gewöhnen.

Dies geschieht dadurch, dass wir im Wurflager ein Tonbandgerät mit möglichst vielen verschiedenen alltäglichen

Geräuschen ablaufen lassen.

Diese können zum Beispiel sein: Straßen- und Eisenbahnlärm, Autohupe, Fahrradklingel, Sirene, Trillerpfeife, Schüsse, Schreien, Donner usw. Setzen wir die Welpen täglich bis zu einer Stunde diesen Geräuschen aus, werden sie diese als zu ihrer Welt gehörend empfinden.

Hören sie dann diese Geräusche außerhalb ihres Lagers, so werden sie sich kaum negativ mehr von ihnen beeinflussen lassen.

Alles in allem bedeutet dies:

1. Tägliche Gewichtskontrolle bis zum 21. Tag.
 
   2. Gib dem Welpen täglich Gelegenheit, mit dir körperlichen Kontakt aufzunehmen durch                  
      „Schmusen“, Streicheln und Spielen.

3. Gewöhne die Welpen schon im Wurfraum an möglichst viele alltägliche Geräusche.


V. Prägungsphase

Die Phase von der 4. bis Ende der 7. Woche etwa ist der wichtigste Lebensabschnitt im Leben der Welpen.

Zweifelsohne gibt es jetzt zahlreiche angeborene Lernpositionen die zu schnellen Lernerfolgen, im Bereich des

Nahrungserwerbes und des Sozialverhaltens führen.

Die Sinnesorgane sind nun voll entwickelt und ermöglichen zunehmend durch Nase, Ohren und Augen eine genaues

Orten von Wahrnehmungen.

Neugierde und Lerntrieb treten nun stark in den Vordergrund und kennzeichnen das ganze Welpenleben.

Kann der Welpe von diesen besonderen Lernbegabungen wenig oder gar keinen Gebrauch machen, so besteht die

 akute Gefahr, dass Störungen eintreten oder überhaupt Teile generell das Lernvermögens lahm gelegt werden.

Dies bedeutet: Versäumen wir in dieser Zeit wichtige Erfahrungen dem Welpen zu vermitteln, so ist der Schutzhund

für später fehlgeprägt.

Aus dem Grund sollten wir dem Welpen die bestmögliche Umwelt bereitstellen, in der sich seine festgelegten Möglichkeiten voll entfalten können.

Dabei sollten wir besonders auf folgende Punkte achten.

1 Setze den in der Übungsphase begonnenen täglichen Berührungskontakt mit dem Menschen in ausreichendem Maße

 fort.

   2.  Lass den täglichen Berührungskontakt durch bekannte und fremde Personen beiderlei
      Geschlechtes vornehmen. Dies ist sehr wichtig, denn wenn eine derartige   
      Kontaktaufnahme nur durch eine Person oder eine Menschengruppe erfolgt, so bleibt    
      der Welpe später anderen Menschen gegenüber unsicher und kontaktarm.

3. Lass den Welpen in dieser Zeit nichts Unangenehmes durch Menschen widerfahren.

   4.  Mach den Welpen jetzt unbedingt mit unserer „technischen Umwelt“ vertraut.
       Zunächst aus der Ferne, später immer näher.

 Er sollte zum Beispiel Autos, Rasenmäher, Fahrräder, Staubsauger, Fernseher usw. optisch und akustisch kennen

 lernen. Er muss erfahren, dass ihm von diesen Dingen keine Gefahr droht.

Mit Beendigung der Prägungsphase erkennen wir am Verhalten des Welpen sehr deutlich, ob wir diesen

Entwicklungsabschnitt richtig genutzt haben.

Denn dieses Verhalten ist die Wechselwirkung zwischen den ererbten Eigenschaften des Welpen und der Umwelt.

Sind alle Aufgaben optimal gelöst, dann besitzen wir einen aktiven und unternehmungslustigen Welpen, der im

späteren Leben wissensdurstiger und intelligenter ist als ein Welpe ohne entsprechend sorgfältige Betreuung.

Deshalb sei hier nochmals festgestellt: Frühzeitige Stresserfahrungen, Sozialisierungen und eine anregende Umwelt

in früher Jugend, gepaart mit einer guten Wesensveranlagung werden die anschließende Lernfähigkeit und Ausbildung

 besonders günstig beeinflussen.

In dieser Phase wird auch der Mensch zum Artgenossen.

Je mehr Menschen der Welpe in der Prägungsphase durch Berührungs- und Geruchskontakte auf diese Weise erlebt,

umso aufgeschlossener und kontaktfreudiger wird er werden.

Ein Hund, der in dieser Zeit wenig Berührungskontakte mit Menschen hat, wird immer etwas zurückhaltend,

ja sogar ängstlicher sein.

Was man dann später einmal als Wesensschwäche bemängelt, hat also nicht immer seine Ursachen in Erbfehlern,

sondern wohl viel häufiger als bisher angenommen in solchen Behandlungsfehlern bei der frühen Aufzucht.

Das macht auch verständlich, warum Hunde aus Großzüchtereien, in denen dem Welpen naturgemäß solche Kontakte

so sehr vorenthalten worden waren, niemals so anschlussfreudige und selbstsichere Hunde werden können, so dass sie

 meistens sehr unangenehme Wesensmängel haben.

Wenn man bei einem Züchter an dem Wurfzwinger heran kommt und erlebt, dass alle Welpen freudig angelaufen

kommen und sich neugierig auf die hingehaltene Hand stürzen, um sie zu beschnuppern, zu belecken und auch ein

wenig hinein zu beißen, dann weiß man, dass hier von vornherein alles in bester Ordnung verläuft; diese Welpen

sind bestens geprägt.

Wenn wir somit täglich in dieser Zeit den Welpen die Möglichkeit geben, sich mit unserer Hand zu befassen, dann

werden diese Welpen den Menschen gegenüber ausgesprochen kontaktfreudige Hunde.

Bieten wir aber diese Möglichkeit den Welpen zu wenig, dann werden aus ihnen kontaktarme Hunde.

Vermeiden wir in dieser Zeit jede Möglichkeit, dass der Welpe uns beschnuppert, wird es zwischen Mensch und Hund

niemals Kontakt geben, auch wenn wir uns nach der 7. oder 8. Woche noch so sehr um den Junghund bemühen.

Das Beste, was wir danach noch erreichen können, ist eine gewisse Zahmheit.

Es hat sich auch gezeigt, dass Welpen, die nur mit einem Menschen Kontakt aufnehmen konnten, späterhin fremden

Menschen gegenüber unsicher und kontaktarm blieben, während Welpen, die von vielen Menschen gestreichelt wurden,

 sich zu richtigen Allerweltskerlen entwickelten, die mit jedem fremden Menschen bereitwillig Kontakt aufnehmen.

Einen ähnlichen prägungsartigen Vorgang scheint es auch hinsichtlich der Futterwahl zu geben.

Hunde, die in diesem Alter niemals rohes Fleisch erhielten, lassen sich später nur sehr mühsam wenn überhaupt,

daran gewöhnen.

Die ersten Erfahrungen mit Menschen sind entscheidend für die künftige charakterliche Entwicklung des Hundes.

Wer sich mit der Absicht trägt, einen kleinen Hund anzuschaffen, der suche sich einen Züchter in möglichst

 erreichbarer Nähe und besuche die Welpen in der Prägungsphase, um ein wenig mit ihnen zu spielen.

Sieht man, dass die Welpen beim Züchter ausreichend Gelegenheit haben, ihr Menschenbild zu erweitern und

Kontakte zu vertiefen und mit möglichst vielen Umwelteinflüssen in Berührung kommen, dann ist es nicht unbedingt

notwendig, öfter als einige Male die Kontakte mit den Welpen fortzusetzen, bis man den Erwählten dann schließlich

mit nach Hause nehmen kann.

Ich würde niemals bei einem Züchter einen Welpen kaufen, der bei meiner Annäherung davonläuft.

Richtig geprägte Welpen stürmen den Besuchern ohne jedes Zeichen von Scheue und mit allen Anzeichen der Freude

entgegen.

Ich glaube, dass aus dem bisher Gesagten deutlich genug hervorgeht, dass man sich einen Hund, der ein Freund fürs

Leben sein soll, mit viel Wissen über all diese Dinge anschaffen sollte und, dass damit der Weg zu einem guten Freund

 nur über einen guten Züchter führt.

Einen anderen Weg gibt es nicht- es sei denn, man züchtet selber.

Es gibt leider Menschen, die sich über diese Dinge niemals Gedanken gemacht haben, und die meinen, einen Hund

kauft man genau wie einen Markenartikel mit Garantiekarte.

Bei der Anschaffung eines neuen Autos für die nächsten drei oder vier Jahre prüfen und überlegen, probieren und

studieren die meisten Leute viel und eingehend, ehe sie sich zum Kaufen entschließen.

Bei einem Hund lassen sie sich allenfalls den Impfpass vorlegen, nehmen das Geschöpf einfach unter den Arm und

bringen es nach Hause.

Es gibt Züchter, die sich weigern, solchen Leuten einen Welpen zu verkaufen.

Ein echter Züchter ist stolz auf seine Welpen und er wird sich freuen, wenn das Interesse des künftigen Käufers schon

vor dem Tag offenkundig wird, an dem er das Tier abholt.

Ich glaube wirklich nicht, dass es da Schwierigkeiten von Seitens eines gewissenhaften Züchters gibt.

Und falls doch, dann suchen Sie sich eher einen anderen Züchter, der Ihr Interesse teilt und gutheißt.

Sie werden es nicht bereuen.



VI. Sozialisierungsphase


Sie dauert bis zur 12. Woche und sollte die große Zeit des gemeinsamen Spielens sein.

Die Freude am Lernen über das Spielen hat nicht nur Bedeutung für die künftige Ausbildung, sie erleichtert auch die

notwendige Einführung in die Gemeinschaft.

Ohne in einem Exkurs über Führungsqualität überzuleiten, möchte ich sagen:

Ein Hund, der einfach mitmacht, was man von ihm will, und zwar gerne mitmacht, der fühlt sich offensichtlich wohl

in seiner Haut.

Es ist ja ganz einfach: Wenn ein Welpe in der Sozialisierungsphase die Erfahrung macht, dass es nichts schöneres auf

der Welt gibt, als mit seinem zweibeinigen Artgenossen zu spielen, dann prägt sich das seinen entsprechenden

Gehirnzellen für den ganzen langen Rest seines Lebens nachhaltig ein.

Es ist sicher etwas Wahres daran, wenn der bekannte Verhaltensforscher Eberhard Trummler in seinem in St. Tönis vorgetragenem Referat fordert:

Wer einen 8 Wochen alten Welpen Kauft, der soll auch dann seinen Jahresurlaub nehmen.

Je lustvoller das Spiel mit dem Menschen ist, und je mehr erstes Lernen als Spiel empfunden
wird, umso größer wird die künftige Lernfreudigkeit des Hundes.

Sie wird in dieser Phase für alle Zeit festgelegt. Die vorgebliche „Wesensschwäche“ so vieler Hunde beruht häufig

genug auf Erziehungsfehlern in der Sozialisierungsphase, in der zuwenig mit dem Hund gespielt, dafür umso mehr

dressiert wird.

Die in dieser Zeit durch falsche Behandlung erworbenen Unsicherheiten sind kaum noch rückgängig zu machen:

Die unverkraftbaren Konfliktstoffe wirken in der Seele des Hundes zeitlebens nach.

Diese Entwicklung von der 9. bis zum Ende der 12. Woche steht also unter neuen Vorzeichen.

Jetzt werden all jene Dinge gelernt, die eine Grundlage für die sozialen Bindungen sind, die im Leben so

hochstehender Familien- und Rudeltiere eine Rolle spielen.

Ist während der Sozialisierungsphase ein Hund der ausschließliche Erzieher, so bleibt der Junghund in seinem

eigentlichen sozialen Verhalten grundsätzlich auf Hunde bezogen.

Ist der Mensch der einzige Erzieher, dann bleibt der Hund ihm zugewandt und tut sich künftig mit anderen Hunden

etwas schwer.

Hunde, die in dieser Zeit wenigstens gelegentlich mit anderen Hunden zusammenkommen und spielen, entwickeln

sich zu dem, was ich als „ normale Hunde“ bezeichnen möchte.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich beim Junghund in dieser Sozialisierungsphase die definitive Bindung

 zum Menschen bildet.

Es entscheidet sich jetzt, ob er zum Beispiel später anhänglich oder gleichgültig sein wird.

Entscheidend und von größter Wichtigkeit für die soziale Entwicklung, ist der frühzeitige und intensive Kontakt zu

Menschen.

Ohne diesen Kontakt entwickelt sich der Hund später zu einem asozialen Sonderling.

  

VII .Rangordnungsphase


Diese, von der 13. bist etwa zur 16. Woche dauernde Phase schließt sich der Sozialisierungsphase an.

Wollen wir uns auch in dieser Zeit artgemäß verhalten, so bauen wir jetzt alle Spiele mit dem Welpen aus.

Wir sollten es uns zur Regel machen, sofort mit einem anderen Spiel zu beginnen, wenn der Hund das von uns

Gewünschte richtig gemacht hat.

Würden wir in diesem Fall die Übung wiederholen, dann würden wir den Hund verunsichern, er müsste glauben,

dass es noch nicht richtig war.


 
VIII. Rudelordnungsphase


Sie dauert von Beginn des 5. Lebensmonats bis Ende des 6. Monats.

Die von Konrad Lorenz beobachtete Tatsache, dass sich unsere „Einmannhunde“ in diesem Alter für immer an einen

Herrn binden, ist in diesem Zusammenhang besonders interessant.

Es ist nämlich gut vorstellbar, dass eine solche Prägung auf einen Leitwolf, die zu einer bedingungslosen

Gefolgschaftstreue führt, zur Sicherung des Daseinskampfes erforderlich ist.

Gefolgschaftstreue heißt, dass der Hund so auf das Leitbild seines Rudelführers geprägt ist, dass er kaum noch je

bereit ist, einen Eid auf eine andere Fahne zu schwören.

Mit kleinen Aufgaben und Übungen, auch solchen, die zur Unterordnung gehören, kann der Mensch seine Stellung als Rudelführer festigen, wobei er mehr durch Selbstsicherheit als durch Gewalt seine Stellung unterstreichen sollte.

Der Junghund erwartet ein „Leitbild“ des erfahrenen, physischen überlegenen Anführers und ist keinesfalls darauf

eingestellt, einem Tyrannen zu Diensten zu sein.



IX. Pubertätsphase


Beginn und Dauer dieser Phase sind bei jedem Hund verschieden. Der früheste Termin dürfte wohl allgemein

der 7. Lebensmonat sein.

Die Pubertätsphase endet, wenn der Hund die ersten Anzeichen des Erwachsenseins zeigt.


Bei der Hündin ist dies die erste voll ausgeprägte Läufigkeit mit Deckbereitschaft.

Der Rüde hingegen zeigt sein Erwachsensein etwa vom 9. Monat an durch das bekannte Beinheben beim Urinieren.

Es kann durchaus sein, dass der Hund in dieser Zeit ein Verhalten zeigt, das uns an ihm völlig fremd ist.

Verbote, die er bisher beachtet hat, werden nun missachtet.

Es kann sogar der Eindruck entstehen, als ob er sich uns widersetzen wolle. Er fordert uns
heraus, indem er sich wenig um unsere Wünsche kümmert oder bereits erlernte Hörzeichen absichtlich überhört.

Der Hund macht zwar in dieser Phase einen robusten Eindruck, er befindet sich jedoch in Wirklichkeit in einem

sensiblen Zustand, denn er ist voll und ganz mit der Hormonumstellung in seinem Körper beschäftigt.

Wie sollten unbedingt vermeiden das unerwünschte Verhalten des Hundes in der Pubertätsphase mit Gewalt zu ändern.

Da dieser Lebensabschnitt oft nur einen Monat dauert, und wir den Hund in dieser Zeit möglichst gewähren lassen

sollten, ist sie mehr oder weniger lediglich eine Übungsphase in die Zeit des Erwachsenwerdens.

Die Aufbauarbeit findet in der Pubertätsphase einen gewissen Abschluss insofern, dass seine „Schulzeit“ zu Ende geht.

Abschließend zu den Ausführungen über die verschiedene Aufzucht- und Entwicklungsphase möchte ich auf etwas Wichtiges hinweisen:

Wer sich einen Hund anschafft, übernimmt eine Verantwortung. Vorher sollten wir uns genau überlegen, was wir von ihm wünschen und erwarten – an Charakter wie auch an Aussehen.


Umgekehrt müssen wir uns einer strengen Selbstprüfung unterziehen, ob wir für die Hundehaltung geeignet sind.

Ein sehr labiler, launischer und inkonsequenter Mensche, sollte sich lieber keinen Hund halten.

Außerdem ist zu prüfen, ob wir einem Tier die ihm artgerechte Lebensbedingungen bieten können und genügend Zeit für ihn haben.

Es gibt schon viel zu viel neurotische Hunde in unseren Großstädten, als das wir deren Zahl noch vergrößern müssten.



Alois Mader


 

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